Krankheitsbilder

 

 

Eltern sollten Fehlstellungen rechtzeitig untersuchen und behandeln lassen.

Bei Neugeborenen sind fehlgestellte Füße keine Seltenheit. Bleibt aber die Rückbildung aus, ist schnelle fachmännische Hilfe nötig. Ansonsten drohen Spätfolgen. Moderne orthopädische Hilfsmittel lassen eine Operation zur Ausnahme werden.
Fehlhaltungen im Uterus oder auch eine Verzögerung der physiologischen pronatorischen Drehung des Fußes und Streckung des Vorfußes der spätfetalen Phase können durch den Schwangerschaftsverlauf bedingt sein. Diese "Fehlstellungen" bilden sich meist nach einigen Tagen wieder in die Normalstellung zurück, sodass sie keiner besonderen Therapie bedürfen.
Normalerweise steht der Vorfuß des Neugeborenen gegenüber dem Rückfuß schon in einer deutlichen Adduktionsstellung. Die Entwicklung des Fußes bringt aber eine fortlaufende Aufrichtung und Streckung mit sich, sodass schon beim zweijährigen Kind eine fast vollständige Streckung besteht. Dennoch gibt es auch hier Ausnahmen. Sichelfüße, die sich passiv - durch Mobilisierung - oder aktiv - durch Anspannung der lateralen Fußrand- und Unterschenkel muskulatur - nicht aufrichten lassen, bedürfen einer sofortigen Therapie. Typisch in dieser Frühphase ist die Knick- und Faltenbildung am medialen Fußrand.
Differentialdiagnostisch sollte möglichst bald abgeklärt werden, um welche Adduktus-Deformität es sich handelt den Sichel-, Serpentinen- oder Klumpfuß.

Einfach läßt sich die jeweilige Fehlstellung an der Skelettskizze oder am Röntgenbild erklären:

Sichelfuß

Der Sichelfuß weist eine Fehlstellung am Tarso-Metatarsal-Gelenk (Lisfranc) durch Adduktionsstellung der Metatarsalia auf.
Serpentinenfuß

Beim Serpentinenfuß beginnt die Fehlstellung bereits am Talus, dessen Kopf leicht nach medial geneigt ist; das Navikulare weicht dagegen nach lateral aus und die Metatarsalia wenden sich wieder nach medial. Dadurch entsteht eine zick-zack-förmige Fußachse, die namengebend war, aber prognostisch ungünstig ist. Denn die Fehlstellung im Talo-Navikular-Gelenk ist relativ rigide und bedarf oft sogar des operativen Eingreifens.
Klumpfuß

Beim Klumpfuß beginnt die Adduktionsstellung bereits am Talus und setzt sich über das Navikulare bis zu den Metatarsalia fort. Spitzfuß und Rückfuß-Varus erleichtern zudem die klinische Diagnose, sodass eine Verwechslung mit dem wesentlich harmloseren Sichelfuß kaum möglich ist. Nicht selten werden auch Drehfehler im Unterschenkel mit Sichelfüßen verwechselt, zumal sie gelegentlich auch in Kombination auftreten. Auch die Ähnlichkeit und Differenzierbarkeit zum Klumpfuß sollte man sich vor Augen führen.


Grundsätzlich gilt:

Je später die Behandlung desto aufwendiger die Therapie.


Die Empfehlung an die lauffähigen Kinder, nicht über den "großen Onkel" zu laufen oder die Beschwichtigung der Eltern, dass sich diese Fehlstellung allein wieder auswachse, ist, wie die Erfahrung zeigt, nicht immer der richtige Weg. Besonders bei widerspenstigen Sichelfüßen, die sich nicht aktiv durch Reizung des Fuß- und Unterschenkelaußenrandes korrigieren lassen, ist Vorsicht geboten. In diesen Fällen besteht oft ein Ungleichgewicht zwischen lateraler und medialer Fußmuskulatur. Hierbei entwickelt sich der Sichelfuß meistens erst wenige Wochen nach der Geburt und entgeht auf diese Weise dem kritischen Auge des Arztes bei der Neugeborenen Untersuchung. So gelangen nicht wenige Kinder erst nach Laufbeginn wieder zum Orthopäden. Je später aber die Behandlung einsetzt, desto langwieriger und kostspieliger wird sie.

Die Therapie

Die Therapie richtet sich nach den Erfordernissen der 3-Punkte-Korrektur, egal ob sie manuell, durch Gipsverband oder durch technische Hilfsmittel erfolgt.
Bei der manuellen Korrektur des lockeren Sichelfußes ist auf ausreichende Stabilisierung des Rückfußes zu achten, damit dieser bei der Mobilisation vom Vor- und Mittelfuß nach lateral nicht verdreht wird.

Der kontrakte Sichelfuß wird anfangs redressierend mit Gipsverbänden und/oder Korrekturschienen behandelt. Die Dauer der Gipsbehandlung sollte sich an den 3 von KITE (1967) genannten Kriterien orientieren:

  • 1. lateraler Rand sollte leicht konkav sein,
  • 2. keine Prominenz mehr von der Basis des 5. Metatarsale,
  • 3. muskuläres Gleichgewicht zwischen ab- und adduzierenden Fußmuskeln.

Danach sollte die Redressionsbehandlung noch mindestens 1 Woche fortgesetzt werden. Eine Gefahr bei der redressierenden Gipsbehandlung ist die ungenügende Fixierung des Rückfußes, der dann bei Abduktionsstellung des Vorfußes zum Abrutschen des Talus im Sinne des Pes planovalgus führt.


Sichel- und Klumpfuß-Nachtschiene

Nachtschienen: leicht in der Handhabung,
zuverlässig bei der Behandlung


Pflegeleichter und sicher in der Handhabung sind Sichel- und Klumpfuß-Nachtschienen, die den Rückfuß zuverlässig stabilisieren und eine individuelle Redression des Vorfußes ermöglichen. Bei Säuglingen und bei Unterschenkel-Drehfehlern empfiehlt sich ihr Einsatz mit einer Oberschenkelfassung.

Baby-Sichelfuß-Orthesen:
die Korrektur im Säuglingsalter


Die Therapie richtet sich nach den Erfordernissen der 3-Punkte-Korrektur, egal ob sie manuell, durch Gipsverband oder durch technische Hilfsmittel erfolgt. Eine Ausnahme stellen lediglich die Fußlagerungsringe dar, die die Korrektur dem Gesetz der Schwerkraft überlassen und eher prophylaktische Bedeutung bei Bauchliegern mit Innenrotation der Beine haben.


BSF-Schuh mit Korrektur